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Nice to have you here.....

Dienstag, 22. Juni 2010

Liebe Edith!

Ein Jahr ist es nun her, seit ich mich für immer von Dir verabschieden mußte. Und doch scheint es mir manchmal, als wäre es erst gestern gewesen. Ein Jahr ist es her, daß ich, ganz entgegen meiner Gewohnheit, und wohl zum ersten Mal in meinem Leben (naja, wenn man Schollis Abschied ausklammert) vor fremden Leuten geweint habe wie ein Kind, ganz entgegen meiner Gewohnheit, in der Öffentlichkeit immer die Contenance zu bewahren. Und ich habe mich meiner Tränen nicht geschämt. Dort, in der Einsegnungshalle, hats mich einfach übermannt, es ging nicht anders. Du warst doch immer ein Teil meiner Kindheit, irgendwie sowas wie eine 2. Oma. Wann immer wir am Sonntag was unternommen haben, Du warst dabei. Und dann sollte das alles zu Ende sein? Klar, ich weiß, für Dich war es letztlich das Beste, die beste Lösung. So schwer das auch fällt, da muß einfach der Verstand regieren, nicht das Herz. Ja, klar, solche Ausflüge wären nicht mehr drin gewesen, wegen Deines gesundheitlichen Zustandes und der Tatsache, daß Du im Seniorenwohnheim warst. Aber Du warst immer da - und dann nicht mehr? Es tut mir so leid, daß ich nicht die Gelegenheit hatte, mich von Dir persönlich zu verabschieden. Noch nicht mal telefonisch - bei unserem letzten Telefonat konnte ich Dich nicht mehr erreichen, zu schwach warst du schon um zuzuhören oder gar zu reden. Und immer noch mache ich mir Vorwürfe, warum ich Dich dort nicht öfter besucht habe. War halt der klassische Fall - wir haben noch soviel Zeit. Im Herbst komm ich ganz sicher mal vorbei, im Winter, wenn der Schnee weg ist, im Frühjahr ....und im Herbst ganz sicher. Herbst gab es dann keinen mehr. Und ich, ich habs verabsäumt. Ich hoffe, Du kannst mir das irgendwie verzeihen. Im Herzen warst ja doch drin. Und ich hab oft an Dich gedacht, nicht nur, wenn ich Besorgungen für Dich erledigt habe, die meine Oma Dir gebracht hat.. Ja, die Zeit heilt die Wunden, aber manchmal bleiben doch juckende Narben. Und manchmal kommt alles hoch. Der Anruf damals, als ich grad in Salzburg war, durch den ich alles erfahren habe. Dein Sarg in der Einsegnungshalle. Der Regen an Deinem Grab. Die Erinnerung generell, wenn jemand Deinen Vornamen oder Nachnamen trägt. Eines bin ich froh: Daß ich mir damals den Nachmittag Urlaub genommen habe, um zu Deiner Beerdigung gehen zu können - als eine von nur ca 20 Leuten. Dich auf Deinem letzten Weg zu begleiten, mich wenigstens so von Dir zu verabschieden. Ich hoffe und bin überzeugt davon, daß Du es dort, wo Du jetzt bist, besser hast als hier... Ich wünsche es mir auch für Dich. Du hast es Dir verdient.
Ich denk noch immer oft an Dich - und vielleicht ist das ganz gut so. Denn Tot ist nur, wer vergessen ist. In meiner Erinnerung lebst Du weiter.
 
 

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