Wir schreiben den 3 Januar 2011. Der Rest des bei mir nicht vorhandenen Silvester-Neujahrsrausches ist, vor allem weil eben nicht vorhanden, weg, Geschichte und passé und das wirklich wahre Leben hat mich wieder. Will heißen, es hat mich immer Anfang Jänner wieder, schließlich und endlich geht es da traditionell (und heuer schon zum 10 Mal!) live zu einer Sportgroßveranstaltung, genauergenommen zum Bergiselspringen. Also auch heuer. Natürlich nicht alleine, sondern mit 2 lieben Freundinnen. N aus M und K aus G. Die angenehmen -9 Grad Außentemperaturen waren wirklich alles andere als angenehm, auch wenn geneigter Leser das vielleicht gar nicht so glauben mag, allerdings hatte ich schon mal -22° miterlebt, die alles andere dann doch relativieren. Noch dazu hat damals Sven Hannawald gewonnen. So als Detailchen am Rande. (Peccioli war dann doch eeeeetwas wärmer)
Wie auch immer zeitig um 10.15 gings los, Richtung Stadion und das alles per pedes, um zumindest eeeeeeetwas Wärme und Bewegung zu bekommen. Lobenswert an der Stelle sei erwähnt Familie Morgenstern, die genauso wie Ottoline Normalsterblich zu Fuß ohne VIP-Bonus den Bergisel erklomm und sich genauso wie wiederum Ottoline Normalsterblich der Sicherheitskontrolle unterzog… An dieser Stelle sei erwähnt: Um meine Kondition ist es doch nicht soooo schlecht bestellt wie manche annehmen möchten. Im Gegensatz zu 2010 hab ichs ohne Probleme hochgeschafft. Ok, zu meiner Verteidigung sei gesagt, es ist sicher nicht die sinnvollste Idee, 2 Tage nach Bettlägrigkeit mir Rest-Erkältung, Halsweh, Schnupfen und damit verbundener Atemlosigkeit bei (klirrender) Kälte knappe 15 Minuten steil berghoch zu rennen….
Im Stadion nach Toilettenbesuch – das erste Mal in all den Jahren, daß dort kein Gedränge herrschte – guten Platz gesichert. Zum Zeitvertreib (hey bitte, es war 1,5h bevor iiiiirgendwas anging) wurde gefuttert und Tee getrunken und sich dabei weidlich amüsiert über den TourneeTv-Zwerg mit seinen dusseligen Stimmungsmachversuchen, gepaart mit "Dalli-Klick" wo irgendwelche uninformierten, sogenannten Fans mittels Aufdecken einzelner Feldchen auf der Leinwand erkennen durften, respektive mußten, welcher Springer sich hinter dem Schwarz verbirgt - und dabei hoffnungslos scheiterten, während unsereins meist beim ersten aufgedeckten Feld schon wußte, wer gemeint sei, anschließend folgender Bussicam, die an Sinnlosigkeit kaum noch zu überbieten war, um dann mehr oder minder endlich beim Probedurchgang zu landen, nachdem Herr Ansgar Irgendwas seinen "Bergiselsong" zum besten gab, über den Schreiberin dieser Zeilen nicht urteilen kann, da sie, in weiser Voraussicht – und DJ Alex geschödigt, auch wenn das ein ganz anderes Persönchen ist – es bevorzugt hat, in höchstmöglicher Lautstärke, die der MP3-Player von sich gibt, Norbert Rier samt seinen Spatzenkollegen aus Kastelruth über die "Juwelen der Heimat", zu denen, diese Bemerkung sei gestattet, Tirol und auch der Blick vom Bergisel an einem klaren Tag wie gestern auf die angezuckerte Nordkette definitiv gehört, schwärmend singen oder doch eher singend schwärmen zu lassen. Achja: La Ola wurde auch gemacht und gesungen. Unter anderem "Steirermen san very good" oder auch die heimliche Landeshymne Tirols "Dem Land Tirol die Treue" – bei dem 22000 Leute andächtig bis inbrünstig mitsangen, darunter sicher auch viele Nicht-Tiroler. Nach dem Probedurchgang ging es weiter mit oben bereits erwähnten sinnlosen Spielen, wo sich beim "Skisprungwissensquiz" ein Schlieri-Kreischi äußerst blamierte, sowie La Ola, Singen (Fliegerlied!!! -> Kult!!!!!!) Die Rede des Herrn ÖSV-Präsidenten habe ich übrigens gleichermaßen verpaßt, wie oben erwähnten Song. Nach 10mal Bergisel live kann ich das Ding auswendig mitplappern… Achja, die traditionelle Fahnenparade der teilnehmenden Nationen fand natürlich auch diesmal statt.
Der erste Durchgang gestaltete sich, wie irgendwo vorherzusehen, zu einer Art Triumphzug für Österreich mit der für mich schönen Tatsache, daß Lieblings-Anssi den 2 Durchgang erreicht hat, was dann doch ein klein wenig über das Ausscheiden des "big ol'man" Janne A. hinwegtröstete.
Die Halbzeitpause wurde wieder mit oben bereits erwähnten sinnlosen Spielen, Bussicam, sowie La Ola, Singen (Que sera incl gemeinsamen Schunkeln, "Hände zum Himmel" – auch so was Ähnliches wie Kult) verkürzt, um dann frisch und mit erfrorenen Zehen (die warmen Temperaturen an der Anzeigetafel halte ich für ein Gerücht und ich bin mir sicher, daß mir so manch anderer am Bergisel Anwesende mir dabei recht gibt) in die finale Entscheidung, auch bekannt als 2 Durchgang, zu gehen oder doch eher zu stehen, in welchem Michael Uhrmann, seines Zeichens bekennender Bayernfan, bewies, was FCB-gen heißt, und den weitesten Sprung nach vorne machte, was dann auch mit dem Ehrentitel "Man of the Day" honoriert wurde. Unter dem brandenden Jubel im Kessel gewann schließlich Thomas Morgenstern, der bei der "Ansprache des Siegers" an das Publikum auf die Frage, was für ein Gefühl es denn sei, am Bergisel zu gewinnen, schlicht und ergreifend und vor allem berührend antwortete (ich zitiere): "Oanfoch oa Wort: Danke". Daß die Nationalhymne etwas schrottig klang, sodaß ich mich gefragt habe, wo man diese Blasmusikkapelle denn ausgegraben habe, klang sie doch (meine Beschreibung) "wie ein besoffener Pianist, der sich als Trompeter versucht" bzw. (Beschreibung von N) "Maus in der Trompete" mit dem gemeinsam getroffenen Schluß, daß man das bei der Noko Seefeld wesentlich besser könne, fällt dann auch nicht mehr wirklich ins Gewicht. Lustig waren dann schon eher die nun auch im Skispringen vertretenen Flitzer, die aus lauter Freude über den Morgensternschen Sieg doch tatsächlich bei Minusgraden "Oben ohne" durch den Schanzenauslauf liefen und sich von den Ordnern nicht aufhalten ließen.
Am Ende sei noch lobend erwähnt, daß, allen argen Befürchtungen meinerseits zum Trotz, der Stadionsprecher Rainer Dierkes "Mit dem modischen Käppi" der nur deswegen (eigenaussage) eine Sonnenbrille zum Moderieren trug, weil er von der Atmosphäre geblendet war, wohl seinen guten Tag ausgepackt hat. Kein "Longest jump so far" nach dem ersten Sprung, die Nationalitäten nicht falsch zugeordnet (Ich erinnere "Janne Ahonen aus Polen"), die Namen ansatzweise richtig ausgesprochen (we remember "Mockthi Hautamäggi") und auch keine sonstigen Sinnlosigkeiten von sich gab (Spanien-Spiel "Tschäääääääiiiiiiinsch wisssss Spähin")… er wird wohl tatsächlich mit fortschreitendem Alter klüger…
Was noch zu sagen bleibt: Ich freu mich für Adas, little big Polishman. Und für Uhri. Und für Matti. Und für Anssi. Ich freu mich auch auf etwas: Auf Seefeld, Noko 2011, das bald ins Haus steht.
Und auf das nächste Bergisel-Springen. In dem Sinne: Survived Bergisel 2011. Auf Wiedersehen 2012!
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