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Donnerstag, 4. März 2010

Von Maaaaaaankestere, Parise Sante Germin und einem bislang verkannten Weltstar

Italienische Fußballkommentatoren sind ein Kapitel für sich. Wenn sie nicht gerade das Spiel als Spiel, also das Spiel als solches kommentieren, dann kommentieren sie wichtige und unwichtige Dinge abseits des Feldes, sei es die bevorzugte Farbe der Ehefrau des Spielers X (ich glaub Frau Maldini war es, die auf rot stand???), das Alter der Kinder des Spielers Y (Arme Klein-Irgendwie hat ersten Schultag und Papi gleichzeitig ein Spiel) oder den letzten Schnupfen des Spielers Z, den er sich bei seinem ausländischen Vereinskollegen geholt hat, der den Klimaumschwung zwischen FuoriItalia und dentroItalia nichtgepackt hat, und dessen Behandlung (Aaaaaaaspiriiiiiiiina) - die Devise lautet 90 min reden, reden, reden... Bloß keine Sekunde schweigen. Um das ganze zu erleichtern präsentiert man dafür mindestens 3 Kommentatoren: Einen Spielkommentator als Spielkommentator, ähnlich unseres österreichischen Thomas König, nur noch redseliger, einen, im Gegensatz zu unserem Herbert Prohaska nicht im Studio, sondern im Stadion seienden Experten (früher Fabio "Das Hütchen" Capello, seit der in England rumturnt irgendwelche B-Promis, dies vor Jahren mal zu einem Länderspiel geschafft haben und die niemand kennt) sowie den wichtigsten: Carlo Paris. Dessen Aufgabe besteht darin, 90 Minuten lang neben der Trainerbank rumzuhängen und alles wichtige an die Zuseher weiterzuleiten. Wichtig heißt: es kann ein taktischer Wechsel genauso sein, wie die Tatsache, daß jemand gerade gehustet hat ("Abbiamo notizie importantissimi per gli spettatori. Caaaarloooooooo". - Carlo: "Siiiii forte tosse di Di Sanctis. Poveretto"). Wenn Carlo Paris (den man übrigens nur wie die Stadt schreibt, nicht jedoch so ausspricht, sondern "Paaaaaaaaaaaaaaaris" mit Betonung auf "a") ganz gut aufgelegt ist (jedes Spiel mindestens einmal) bekommt man auch ein aktuelles Field-Interview, sei es mit einem eben ausgewechselten Spieler, der nur schnauft, dem Trainer oder - notfalls - irgendeinem sonstigen Betreuer wie dem Physio.
Gestern auch wieder - Italien gegen Kamerun. Fun live. Erst kann sich das Reportertriumvirat nicht so ganz entscheiden, wo Konkret das Spiel denn stattfinde. Die Meinung darüber wechselt nahezu minütlich: Nizza, nein, doch Parma, äh nein, Bari, ach nee, doch Monte Carlo (die wahrscheinlichste, weil am häufigsten genannte Variante). Natürlich wird der geneigte Zuschauer auch über die am Feld rumlaufenden Typen aufgeklärt "tutti ragazzi giovani" (na klar, ein Tattergreis wird kaum Fußballspieler sein) die offenbar samt und sonders ihr allererstes Länderspiel absolvieren (zumindest bei Pirlo, Cannavaro, Chiellini und De Rossi kann ich das ausschließen;)) was natürlich (!) gleichzeitig der Anlaß ist, uns darüber aufzuklären, wer von den Jungs was mag und was nicht (überraschenderweise mögen alle Pasta). Nachdem sich die Kommentatoren damit vergnügt haben, alle fiesen Fouls, gegen die sogar unser Bommeltje ein Weichei ist, als "Buon'azione" abzutun, schließlich müsse man ja wohl respektieren, daß irgendso ein Neuling nervosissimo ist....darf Carlo erklären, daß Gattusos Bart stärker sei als beim letzen Spiel. Natürlich als sehr wichtige Mitteilung, ohne die die Spattatori, also die Zuschauer zuhause nicht überleben können. Traurigerweise (also für Carlo) ließ sich der sich in HZ1 auf der Bank befindende Ringhio nicht zu einem Fieldinterview über seinen Bart bereiterklären. Also kommentiert man - Notlösung immer parat - weiter mit Lieblingswort "Anticipato" - gesprochen "aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanticipaaaaaaaaaaaaaaaaato" (Bedeutung: von "anticipo", "vorneweg, vorab" stammend, auf Fußballerisch: Spieler A hat eine Aktion des Gegners vorausgsehen und diese unterbunden, ehe Gegner sie ausführen konnte"). Aaaaaaaaaanticipato ist übrigens das am häufigsten Genutzte Wort während 90 minunten (Frequenz: ca 85 mal), dicht gefolgt von "il crosssss" - Der Querpaß. Nachdem wir also die erste Halbzeit erfolgreich aaaaaaaaaaaaaanticipato haben, taut Reporterchen in HZ 2 sichtlich auf und erklärt uns die Qualitäten einzelner Kameruner. Nicht nur, daß irgendein Spieler von Kamerun tatsächlich mal italienischen Boden betreten hat (gemeint ist der zu Inter gewechselte Eto'o) es wird auch geschafft, Tschoy oder wieauchimmermandenschreibt, dem richtigen Verein zuzuordnen. Warum man  Redebulle Salisburgo allerdings zum Weltklasseverein macht - guteFrage, nächsteFrage. Man klärt auch über die Vereinshistorie von "quel giocatore" (ohne nähere Namensnennung-entweder ist Name kompliziert oder Spieler unbekannt) auf: "Maaaaaaaaankestere (mit "a" statt "ä" pronunziert) Liiiiijonne e Parise Sante Germinnne" so seine Stationen. Und dann - Minute 80. Wir wissen nun wirklich alles: Daß Gattuso mal in Schottland war, daß Lippi sich gekratzt hat, daß Chiellini samt Juve nicht mehr in der CL ist (zumindest das kann ich haargenau datieren und bestätigen), daß Cannavaro Fabio heißt, daß... und noch 10 Minuten zu spielen, will heißen 10 minuten zum verquatschen. Also blickt man voraus: Auf "Sudafrica" auf "Coppa di mondo" die zumindest für die Azzurri in "Città di Capo" beginnt - gegen "il Paraguay" mit dem soprannaturale, fuoriclasse, superiore, incrediblie forte, incomparabile, unico... .... Roque Santa Cruz. richtig gehört. Diese Attribute spricht man nicht Lionel Messi zu, sondern Roque Santa Cruz. Also als Bayernfan hab ich den ja seine 8 Jahre hier verfolgt.. Das einzige Attribut, das ich so unterschreiben kann ist "unico" - schließlich ist jeder Mensch einzigartig. Jedenfalls, spätabends oder früh nachts, so um 22.45 Uhr - a star is born. Ein Weltstar!!!! Italien erzittert wahrscheinlich schon in Ehrfurcht vor Roques Fähigkeiten - ich seh diesen relativ gelassen entgegen.
Zum krönenden Abschluß darf Carlo nochmal ran - Fieldinterview mit Marcello Lippi. Aussage: Spieler jung, Spieler neu, Debütanten, nervös und.... Roque Santa Cruz ist Weltklasse.
Si gira....
 

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